Beiträge von Krankenwagenfahrer

    Ich muss immer schmunzeln, wenn ich diese Diskussionen mit früheren Zuständen im RD vergleiche. Anfang der Siebziger war der Schlaganfall ein ganz normaler Krankentransport. Manchmal war sogar die Einweisung vom Vortag datiert weil der einweisende Arzt am Vorabend den Transport als Vorbestellung bei der Leitstelle angemeldet hatte. Times change...

    Ursprünglich war dieser Gedanke gar nicht ernst gemeint, allerdings erscheint er bei näherer Betrachtung immer weniger abwegig:


    Eine HiOrg, die einem als RA ausgebildeten Arzt verbietet, als RA auf einem RTW mitzufahren, könnte sich strafbar machen und zudem von diesem RA/Arzt zivilrechtlich auf Schmerzensgeld verklagt werden!


    Möglich macht es das vielfach bejubelte Anti-Diskriminierungsgesetz...


    Zusatz: Das ist tatsächlich kein Witz! Sowohl mein Anwalt (selbst RA) als auch der Justiziar unserer HiOrg haben diese Möglichkeit bestätigt. Letzerer wurde aber bei der Frage etwas blass und bat um "Diskretion"...

    Zitat

    So kenne ich keinen EH-Kurs wo irgendjemandem erzählt wird, wenn er hilft und was falsch macht hat er ein Problem.


    Doch, genau das haben unsere Ausbilder den Teilnehmern immer gesagt, allerdings hat der Spiegel die Aussage sinnverändernd aus dem Zusammenhang gerissen bzw. verkürzt! Oft kamen in den Kursen Fragen nach der Haftung bei fehlerhaften Hilfeleistungen auf. Wir haben dann immer ausführlich darauf hingewiesen, dass der Ersthelfer haftungsrechtlich auf der sicheren Seite ist, so lange die EH-Maßnahmen nur so durchgeführt werden wie sie erlernt wurden. Zur Verdeutlichung benutzten wir meistens folgendes überspitzte Beispiel: "Wer einem Bewusstlosen mit seinem Taschenmesser den Bauch aufschneidet, um nach inneren Verletzungen zu suchen, muss mit sehr viel Ärger rechnen!". An der Stelle waren wohl einige Teilnehmer etwas unaufmerksam...


    Zitat

    "Der Helm muss immer draufbleiben, egal ob Bewusstlos oder nicht"


    Diese Variante gab es tatsächlich kurzzeitig im EH-Leitfaden. Sie stammt aus der Zeit, als es immer mehr Integralhelme mit den unterschiedlichsten seltsamen und unmarkierten Verschlüssen gab. Man hatte damals die Befürchtung, durch das unsachgemäße Entfernen eines Integralhelmes könnte eine HWS-Verletzung dramatisch verschlimmert werden. Die heute gebräuchliche Zweihelfer-Methode und die halbwegs logischen Helmverschlüsse kamen erst viel später.


    Vielleicht hätte der Spiegel in einem aktuellen EH-Kurs recherchieren sollen und sich nicht auf Aussagen von Leuten verlassen, die anno Gipskrieg ihren Kurs gemacht haben...

    Die Türarretierungen sind MB-Standard und helfen kaum weiter...


    Das integrierte Transparent bringe ich allerdings mit Binz in Verbindung. Gab es damals gegen Aufpreis an Stelle des aufgesetzten Transparents. Bei anderen Ausbauern sind mir, zumindest bei der Baureihe, nur aufgesetzte Transparente bekannt.

    Nö! Theoretiker kommen auf die Idee, alle Fahrzeuge völlig sinnfrei ohne Rücksicht auf die Fahrzeugart von 1 bis unendlich durchzunummerieren! Arbeite mal auf einer größeren Rettungsleitstelle mit reichlichem Besuch von Fremdfahrzeugen, und Du wirst es schnell zu schätzen wissen, wenn Du beim Sprechfunk sofort am FRN erkennen kannst, um welche Fahrzeuggattung es sich jeweils handelt. Besonders dankbar bist Du, wenn das FMS mal ausfällt und dann eben nicht angezeigt wird, ob es ein KTW, RTW, NAW, der Küchenwagen oder das Jugendrotkreuz auf großer Fahrt ist...

    Igitt... Aber das Gebräu ist bekannt. Die Pampe nennt sich "Korea" und ist zur Erschütterung echter Äpplerfreunde ziemlich in. In einigen Apfelweinkneipen riskiert man allerdings ein Lokalverbot, wenn man so etwas bestellt.


    Das bringt uns bei unserem "XY-ungelöst-RTW" aber nicht viel weiter...


    Wie wäre es denn mit der Variante "Miesen-Vorführer mit temporärem FRN"?

    Also langsam wird es absurd! Wenn der RTW der NRW-BePo ein "Schwesterfahrzeug" sein soll, dann haben wir Hunderte weiterer Geschwister in der Galerie und der fragliche RTW könnte zu jeder x-beliebigen BOS oder Privatfirma gehören...


    Bis auf die Tatsache, dass es ein Sprinter ist, finde ich nämlich kaum Übereinstimmungen!

    Leider wird man über diesen konkreten Einsatz und seine Begleitumstände nicht sachlich diskutieren können, ohne die politische Komponente mit zu berücksichtigen.


    Allerdings bin ich auch der Meinung, dass diese Diskussion zu sehr polarisiert und darum an dieser Stelle abgebrochen werden musste.

    Veto! In Großbritannien und Frankreich geht es nicht um Ausländer, sondern um britische bzw. französische Staatsangehörige, deren Vorfahren aus den Ex-Kolonien dieser Länder stammen.


    Zwischenzeitlich haben beide Länder ihre Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsbestimmungen dahingehend verschärft, dass Nachkommen von Kolonial-Briten bzw -Franzosen weder ein automatisches Zuzugsrecht noch einen Anspruch auf die vollwertige Staatsbürgerschaft haben.


    Ich würde also die Situation in F und GB eher mit den USA vergleichen, wo solche Unruhen einen rein rassistischen Hintergrund haben und nicht wie hier einen nationalistischen oder religiösen.


    Und was Deutschland betrifft kann ich nur sagen: Das habt Ihr nun von Multikulti und grenzenloser Toleranz! Dass sich Ausländer hierzulande inzwischen aufführen dürfen wie die Axt im Walde und dann auch noch von einer dauerbetroffenen Claudia Roth dafür verhätschelt werden, kann ich nicht verstehen und es dürfte ein weltweit einmaliger Zustand sein...

    Zitat

    Original von kellern
    aber wann hat der RD es mit völlig Klaren zu tun ?


    Ist das bei Euch so? Ich kenne das Patientengut im Raum Hannover nicht, vielleicht sind dort tatsächlich die meisten Patienten des Rettungsdienstes psychisch auffällig. Wie ich sonst die mehrfach benutzte, in RD-Kreisen allerdings eher unübliche Bezeichnung "bekloppt" interpretieren soll, weiss ich ohnehin nicht! Und dass wir bei psychisch kranken Menschen unsere Messlatte wesentlich höher hängen (aber selbst da nicht völlig abhängen!) müssen, dürfte völlig ausser Frage stehen!


    Aber vielleicht liegen unsere unterschiedlichen Einstellungen tatsächlich daran, dass es in Hannover nur einmal im Jahr die Chaostage gibt, diese aber in manchen Gegenden der Stadt Frankfurt in nahezu jeder Wochenendnacht stattfinden.


    Ich gestehe nämlich einem von Hause aus aggressiven Nachwuchs-Macho diesen "Psycho-Bonus" nicht zu. Ich werde auch den Teufel tun und bei jedem physischen Angriff ein soziologisches Screening oder eine Psychoanalyse durchführen. In dem Moment geht es mir primär um meine Knochen, und die sind mir wesentlich näher als meine Toleranz für andere Kulturkreise und deren Sitten oder mein Verständnis für die mangelhafte Erziehung anderer Menschen. Allerdings interessiert mich selbst das Krankheitsbild meines Patienten herzlich wenig, wenn er mich tätlich (nicht verbal!) angreift! Dann habe ich das Recht, mich meiner Haut zu wehren, und werde dieses Recht auf jeden Fall wahrnehmen. Kein Arbeitgeber und kein Gericht dieser Welt kann mir daraus einen Strick drehen!


    Wer allerdings in einer solchen Situation frei nach Gandhi den gewaltlosen Widerstand bevorzugt, hat selbstverständlich auch das Recht dazu! Genauso wie jeder das Recht hat, nicht aus sachlichen Gründen, sondern aus Prinzip zu allem sein Contra zu geben...

    Ich habe mir diesen Thread zu Gemüte geführt und komme aus dem Staunen über so manche abenteuerliche "juristische" Ansicht zur Notwehr/Nothilfe nicht raus! Da wir ja bekanntlich hier in Frankfurt kriminalitätstechnisch in der Champions League spielen (was bei unserer Eintracht noch zwei, drei Jährchen dauern wird...), haben viele Frankfurter Retter wie ich auch ihre ganz persönlichen einschlägigen Erfahrungen gemacht. Ähnlich dürfte es z.B. Hamburger und Berliner Kollegen gehen...


    Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass sich das "Klientel" und seine Einstellung dem Rettungsdienst gegenüber in den letzten Jahren sehr zum Negativen verändert hat. Konnte man früher noch als "Sani" inmitten einer zünftigen Massenschlägerei einen Verletzten versorgen, ohne dabei auch nur angerempelt zu werden, käme derlei Arbeitseifer heutzutage einem Suizidversuch gleich. Und ohne Roland Kochs kritisierte Wahlkampfthemen aufgreifen zu wollen, muss ich ihm insofern Recht geben, als dass wir uns heute mit ganz anderen Alters- und Herkunftsstrukturen buchstäblich herumschlagen müssen als früher.


    Die Hemmschwelle, einen Rettungsdienstler tätlich oder gar bewaffnet anzugreifen, tendiert zwischenzeitlich gegen Null! Wer in einer solchen Situation noch die Möglichkeit hat, die Flucht zu ergreifen und/oder die Polizei zu alarmieren, sollte dies natürlich tun. Klappt das mal nicht, dann gilt für uns völlig selbstverständlich genau das selbe Recht auf Notwehr bzw. Nothilfe (§ 32 StGB), das für jeden anderen Bürger gilt. Dieses Recht kann auch nicht auf Grund unserer Garantenstellung oder anderer Umstände unserer Tätigkeit beim Rettungsdienst eingeschränkt werden. Schließlich sind wir für das Verhalten bei und die Abwehr von rechtswidrigen Angriffen auf uns oder unsere Schutzbefohlenen weder explizit ausgebildet noch ausgerüstet! Übrigens deckt der § 33 StGB sogar Überschreitungen der angemessenen Notwehrgrenzen aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken ab. Leider "vergessen" viele Referenten diesen Paragraph bei ihren Vorträgen, was nicht gerade zur Rechtssicherheit beiträgt...


    Um es mit den Worten meines langjährigen Partners (und mehrmaligen Kampfgenossen...) aus Frankfurter Rettungszeiten zu sagen: "Wenn so'n Spacken mit 'nem Messer vor mir rumfuchtelt, zeige ich ihm kurz und knapp, warum die MAG-Lite so heisst. Weil es mit ihr dann Mächtig Auffe Glocke gibt..."

    Hallo kwazulu,


    erstmal herzlich willkommen im Forum. Gegen Deine regelmäßige Teilnahme hat keinesfalls jemand etwas einzuwenden, interessante Themen gibt es in Hülle und Fülle. Der Ton mag zwar manchmal etwas rauh erscheinen, schlussendlich ist er aber immer herzlich...


    Zu Deiner Frage: Bei der EN blicke ich selbst nicht hundertprozentig durch, und ich bezweifle sehr, dass es bei der EU allzu viele Leute tun. Die Unterscheidung zwischen RTW (MICU) und N-KTW (Emergency Ambulance) dürfte allerdings kaum an dem Kriterium Kasten/Koffer festzumachen sein. Der Vario Kasten gilt zum Beispiel zu Recht als vollwertiger RTW. Ich tippe also eher auf eine Unterscheidung nach den Abmessungen...

    Luftfederung ist nicht gleich Luftfederung! Die Federungen, die von den Fahrzeugherstellern angeboten werden, sind meistens auf den Gütertransport ausgelegt. Spezielle Lösungen für den Rettungsdienst sind selten, in Europa kenne ich nur einen britischen Anbieter. Und da muss man wie bereits gesagt auf die Freigabe des Fahrzeugherstellers achten.

    Naja, was sich in der Taiga und in Sibirien gut bewährt hat, muss für den Westerwald und das Wattenmeer nicht unbedingt das Schlechteste sein... Ich gehe allerdings davon aus, dass die Lastenhefte diese Hersteller bei den Ausschreibungen schon recht früh aus dem Rennen werfen. Da ist man doch schon sehr oft auf den Bestandsschutz der etablierten Marken bedacht!

    Zitat

    Original von Ted

    • xx/91-99 = MZF (KFZ mit Trage, Tragestuhl und Rollihalterung)
    • xx/73-79 = BHT (KFZ für bis zu drei Rollstuhlfahrer)


    Zur endgültigen Klarstellung sei erwähnt, dass diese Fahrzeug-Kennzahlen reine ASB-Eigenkompositionen sind, die in dieser Form nur andeutungsweise (Neunziger-FRN für KTW) mit dem derzeitigen hessischen BOS-Rufnamenkatalog übereinstimmen. Lediglich die 88 als Organisationskennzahl des ASB passt...

    Die interne Fahrzeugbezeichnung 88/78 könnte sich an dem ersten hessischen BOS-Rufnamenkatalog orientieren, bei dem "MTW ohne Trage" die Kennzahlen 71 bis 79 hatten. "MTW mit Trage" bzw. die damals noch erfassten "Behelfs-KTW" trugen die Kennzahlen 61 bis 69. Gerade beim ASB Hessen findet dieser alte FRN-Katalog bei der internen Fahrzeugnummerierung noch oft Verwendung, z.B. hat der ASB-OV Frankfurt noch bis vor kurzem (und evtl. noch heute?) seine Rettungswagen intern mit den Zahlen 41 bis 49 und 51 bis 59 nummeriert, was den alten hessischen FRN für RTW bzw. NAW entspricht.


    Die interne Zahlenkombination 84/96 für den JUH-KTW entspricht hingegen dem aktuellen hessischen FRN-Katalog.

    Zitat

    Original von t_voss
    Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob man sich an so etwas hält oder nicht.


    Genau das ist der Knackpunkt, dessen sich viele Fahrer von BOS-Fahrzeugen nicht bewusst sind! Dienstanweisungen und Erlasse hin oder her, nicht der Sozialminister, Geschäftsführer oder Dienststellenleiter hält seinen Ar... hin, wenn etwas passiert und sich vor Gericht herausstellt, dass die jeweilige Anweisung rechtswidrig war. Belangt wird in solchen Fällen einzig und allein der Fahrer! Dies gilt übrigens auch für Fahrverhaltens-Anweisungen von Notärzten an RTW-Fahrer bei Einsätzen!


    Und falls Zweifel darüber bestehen, ob solche fehlerhaften Vorschriften überhaupt erlassen werden, muss man sich z.B. nur mal anschauen, wieviele Gesetze in den letzten Jahren vom Bundesverfassungsgericht in Teilen korrigiert oder ganz gekippt wurden. Keine Vorschrift, egal von wem sie erlassen wurde, kann die Eigenverantwortung ersetzen!