"Innovations-RTW" der RKiSH

  • Hi,



    Ich weiß auch nicht, wo das große Problem mit dem nicht abnehmbaren Oberteil ist. Ich hab in den 8 Jahren RD in den seltesten Fällen das Oberteil abgenommen. Ein, zwei Stufen kann man auch mit dem Fahrgestell überwinden - das Gesamtkunstwerk ohne E-Antrieb wiegt ja in etwa das gleiche wie eine Roll-in.


    Die "Fahre" ist deutlich schwerer - auch ohne Elektrozeug.


    Zitat


    Wenn ich nur mal das Oberteil brauche, kann ich auch ne Schaufeltrager oder ein Spineboard nehmen. Bei der DL, dann muß auf das Dingen halt ne flatbare DIN-Trage - sollte auch noch irgendwo in die Geräteräume passen und niemanden übermäßig überfordern. Klappt ja in GB auch ohne Probleme.
    Man muß sich halt auch mal was Neues einfallen lassen, und wenn mir das in der Mehrzahl meiner Einsätze Entlastung bringt und ich beim Rest ein wenig mehr Nachdenken muß, solls mir recht sein.


    Ist vielleicht ein "lokales Problem", aber hier bei uns werden Schaufeltrage, Spineboard (gibt´s hier eh kaum) oderVKM/Ttragetuch für den normalen Liegend-Treppentransport so gut wie nie verwendet, wenn es auch mit dem Tragenoberteil geht. Schaufeltrage&Co sind hier nur absolute Notmittel, wenn die normale Trage nicht durchs Treppenhaus passt und der Patient zwingend liegen muss. Wenn möglich, wird hier die DL nachgefordert, wenn der Patient liegen muss und "das Treppenhaus nicht geht".... Und die DL hat zwar eine DIN-Trage an Bord, aber die wird nie benutzt, denn das Tragenoberteil (Ferno, Stollenwerk, Stryker) passt ja exakt auf die Aufnahme am Korb....


    Vielleicht bin ich ja eine biologische Besonderheit oder zu dumm zum Tragen, aber mir tut mein Rücken noch lange weh, wenn ich einen Patienten via Tragetuch etc. die Treppe runterbefördern muss. Mit x-mal Trage(noberteil) habe ich hingegen keine Probleme auch auch zig-mal Trage raus/rein und rauf/runter stellt für mich kein Problem dar....

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Die "Fahre" ist deutlich schwerer - auch ohne Elektrozeug.


    Roll-in:
    - Stollenwerk 2870 mit 3006 Oberteil, Matratze und Zubehör wiegt ca. 56kg
    - Ferno Mondial komplett 51kg


    Fahrtrage:
    - Ferno TFC-P komplett ca. 60kg
    - Ferno Powerflex mit Akku ca. 60kg


    4kg gegenüber einer Stollenwerk empfinde ich nicht als "deutlich" schwerer. Da belastet mancher seinen Körper trotz Hilfestellungen über Gebühr auf andere Art und Wiese.


    Pat. auf Schaufeltrage/Spineboard, auf die DIN-Trage, auf die DL, auf die Fahrttrage - wo ist da jetzt das Problem? Zudem, ein Spineboard oder eine Schaufeltrage kann ich unter so beengten Verhätltnissen besser handhaben als nen Tragenoberteil - genug Mann sind auch da.


    Aber ich find die Diskussion um diese Frage eh unsinnig. In anderen Ländern klappt das mit den Fahrttragen wunderbar, die haben sogar ne sehr geringere Quote an Rückengeschädigten als in Deutschland.

  • Hi,



    In anderen Ländern klappt das mit den Fahrttragen wunderbar


    In anderen Ländern funktionieren auch andere Sachen "wunderbar" - z.B. ein Patiententransport auf einem Eselskarren oder Pickup. Dennoch müssen wir sowas nicht nachmachen.


    Neuerungen muss man ausprobieren und testen, ob man sie sinnvoll verwenden kann und ob bzw. welche Umstellungen im Arbeitsablauf dadurch notwendig sind und wie man diese bewerkstelligen kann. Ebenso wichtig die Betrachtung der bisher genutzten Methoden auf Vor- und Nachteile (beim RTW z.B. gefederter/verstellbarer Tragentisch). Und dafür ist der "Innovations-RTW" ja da und ich bin auf Erfahrugnsberichte gespannt.

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Ist vielleicht ein "lokales Problem", aber hier bei uns werden Schaufeltrage, Spineboard (gibt´s hier eh kaum) oderVKM/Ttragetuch für den normalen Liegend-Treppentransport so gut wie nie verwendet, wenn es auch mit dem Tragenoberteil geht.

    Ich habe in all meinen Jahren nicht ein einziges Mal das Oberteil von der Roll-In-Tragezum Patiententransport abgebaut.
    Entweder die Trage passt komplett ins Haus oder es war eh so verwinkelt, dass man lieber gleich auf alternativen umge-
    stiegen ist.


    Ehe ich mühsam mich mit einem breiten Tragenoberteil durch ein Treppenhaus quäle, kann ich auch das ganze mit der
    deutlich schmaleren Schaufeltrage machen. Darauf lässt sich der Patient zusätzlich auch noch viel besser verschnüren
    äh sichern als auf einer (DIN-) Trage.


    Und was das weiter oben angesprochene Akku-Problem angeht, es ist in bestimmten Kreisen ein bekanntes Thema, dass
    Akkus bestimmter Defis gerne mal ihren Dienst verweigern. Das ist mir mit Corpuls- und Bruker-Geräten nicht ein Mal
    passiert.

  • Neuerungen muss man ausprobieren und testen, ob man sie sinnvoll verwenden kann und ob bzw. welche Umstellungen im Arbeitsablauf dadurch notwendig sind und wie man diese bewerkstelligen kann. Ebenso wichtig die Betrachtung der bisher genutzten Methoden auf Vor- und Nachteile (beim RTW z.B. gefederter/verstellbarer Tragentisch). Und dafür ist der "Innovations-RTW" ja da und ich bin auf Erfahrugnsberichte gespannt.

    Du argumentierst aber anders.


    In anderen Ländern funktionieren auch andere Sachen "wunderbar" - z.B. ein Patiententransport auf einem Eselskarren oder Pickup. Dennoch müssen wir sowas nicht nachmachen.

    Sehr dienlicher Vergleich ...

  • Hi,


    Ich habe in all meinen Jahren nicht ein einziges Mal das Oberteil von der Roll-In-Tragezum Patiententransport abgebaut.
    Entweder die Trage passt komplett ins Haus oder es war eh so verwinkelt, dass man lieber gleich auf alternativen umge-
    stiegen ist.


    Siehst du, ich kenne es ebenfalls seit Jahren so, dass das Tragenoberteil stets die erste Wahl ist, wenn der Patient liegen muss - ansonsten ist der Tragestuhl das Mittel der Wahl.....


    Zitat


    Ehe ich mühsam mich mit einem breiten Tragenoberteil durch ein Treppenhaus quäle, kann ich auch das ganze mit der
    deutlich schmaleren Schaufeltrage machen.


    Und genau das machen wir hier nicht, da man die Schaufeltrage z.B. von der Handposition her deutlich unergonomischer tragen muss als eine "normale Trage". Zudem ist die Schaufeltrage deutlich unangenehmer für den Patienten (hart, schmal, keine Griffe zum Festhalten, keine Oberkörper-Hochlagerung etc.) Klar, wenn die Trage nicht passt, muss man sich was einfallen lassen, aber sehr oft passt sie.....


    Ich würde bzgl. Tragenoberteil sogar soweit gehen, dass auch im KH der Patient darauf liegenbleibt, d.h. man sich im KH ein neues Oberteil holen kann. Nur das geht technisch/logistisch eben nicht ;(


    Was rückenschondendes Arbeiten betrifft - da wird IMHO viel zuwenig ausgebildet. Alleine beim Umheben vom/ins Bett sieht man oft Abläufe, die einem schon beim Hinsehen im Rücken wehtun.....

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Ich hab' mal ein bisschen gegooglet... Zwei Sachen habe ich gefunden:
    1. Ein Video, bei dem die Funktionen kurz vergestellt werden. http://www.youtube.com/watch?v=H2BLHWnOs1k
    2. Die Stryker-Webseite. Unten kann die Registerkarte "Video" sind noch drei Videos. http://ems.stryker.com/detail2.jsp?id=10


    Interessant im Youtube-Video finde ich, dass man die Trage "verkürzen" kann, wenn das Kopfteil oben ist - 40cm können da beim die Treppen runterschleppen die Arbeit um ein vielfaches vereinfachen, das kann so manchen Tragestuhleinsatz verhindern. Ganz ersetzen wird man ihn aber trotzdem nicht können, das ist klar. Wie sich des ganze beim Einsatz der Drehleiter verhält, steht da leider nicht mit dabei und wird auch nicht in den Videos gezeigt... Und das Akkusystem scheint mir auch noch in den Kinderschuhen zu stecken, aber irgendwann muss man einen Schritt in richtung Modernisierung machen - und man muss ehrlich sein, so schlecht scheint das ganze System dann doch nicht zu sein. Würde mich mal interessieren, das Ganze live zu sehen und auszuprobieren.

  • Ich hab' mal ein bisschen gegooglet... Zwei Sachen habe ich gefunden:
    1. Ein Video, bei dem die Funktionen kurz vergestellt werden. http://www.youtube.com/watch?v=H2BLHWnOs1k
    2. Die Stryker-Webseite. Unten kann die Registerkarte "Video" sind noch drei Videos. http://ems.stryker.com/detail2.jsp?id=10


    Interessant im Youtube-Video finde ich, dass man die Trage "verkürzen" kann, wenn das Kopfteil oben ist - 40cm können da beim die Treppen runterschleppen die Arbeit um ein vielfaches vereinfachen, das kann so manchen Tragestuhleinsatz verhindern. Ganz ersetzen wird man ihn aber trotzdem nicht können, das ist klar. Wie sich des ganze beim Einsatz der Drehleiter verhält, steht da leider nicht mit dabei und wird auch nicht in den Videos gezeigt... Und das Akkusystem scheint mir auch noch in den Kinderschuhen zu stecken, aber irgendwann muss man einen Schritt in richtung Modernisierung machen - und man muss ehrlich sein, so schlecht scheint das ganze System dann doch nicht zu sein. Würde mich mal interessieren, das Ganze live zu sehen und auszuprobieren.



    Ah, der Herr mit der herausragenden RD-Erfahrung ...
    Dann schlepp du mal ne 60kg-Trage + Pat. ne Treppe hinunter oder schnall das Konstrukt auf ne Drehleiter. Diese Tragen bestehen nicht wie hier in Deutschland und einigen Nachbarländern aus Trage und Fahrgestell.

  • Hi,


    Ich hab' mal ein bisschen gegooglet...
    Interessant im Youtube-Video finde ich, dass man die Trage "verkürzen" kann, wenn das Kopfteil oben ist - 40cm können da beim die Treppen runterschleppen die Arbeit um ein vielfaches vereinfachen, das kann so manchen Tragestuhleinsatz verhindern.


    Die von dir genannte Trage ist eine "Fahre" - sie ist garnicht dafür gedacht, getragen zu werden. Die komplette Trage wiegt über 60kg - das schleppt niemand freiwillig mit einem Patienten drauf durch die Gegend!



    Die US-Tragen unterscheiden sich auch deutlich von den bei uns seit vielen Jahren üblichen Roll-In-Tragen, obwohl "unsere" Tragen ja eigentlich auch eine US-Erfindung sind. Schuld daran ist die DIN-Norm, die seit quasi Urzeiten die "DIN-Krankentrage" und vorallem deren Halterungen und Kompatibilität genormt hat. Um seinerzeit in Deutschland als Krankentrage zugelassen zu werden, musste die DIN-Eigenschaft (bzw. die Halterungen) vorhanden sein. Ferno (und Stollenwerk) lösten das mit einem vom Fahrgestell abnehmbaren Oberteil, das auf die genormten Tragentische aller Krankenkraftwagen (vom Nachkriegs-KTW4 bis zum modernsten NAW) sowie auf Tragenhalterungen am DL-Korb etc. passte. Ich hab gerade noch ein bischen die Zeit mitbekommen, zu der es noch KTW ohne Roll-In-Trage gab - war schon recht sexy, die KTW-DIN-Trage auch auf einem (nachgeforderten) RTW, de eigentlich eine "moderne Ferno" hatte, verladen zu können.


    Genau diese "grenzenlose" Kompatibilität der Tragen und Tische bzw. Fahrzeughalterungen untereinander geht mit den "modernen" Tragen nach US-Muster aber verloren. Bestes Beispiel ist die auch im "Innovations-RTW" verwendete Trage im Zusammenhang mit einer DL-Halterung oder z.B. Kompatibilität KTW./.RTW.


    So schön mache technischen Möglichkeiten sind, so sehr brechen sie auch das auf, was viele Jahrzehnte immer wieder mal ganz nützlich war. Ich habe z.B. schon öfters einen Patienten vom KTW etc. im RTW übernommen ohne ihn nochmal umzulagern - einfach Trage tauschen, fertig. Der KTW fährt dem RTW hinterher, holt sich im KH seine Trage wieder und alles ist gut. Auch ein Tragentausch RTW./.NAW hab ich schon öfters erlebt. Das funktioniert bis heute, denn für den bay. RD werden Tragentische verbaut, die sowohl "normale" Ferno, Stollenwerk und auch Stryker aufnehmen können, auch die DL und RTH haben ihre "Norm-Halterung", die diese Tragen(oberteile) aufnehmen können. Nur eine MX-pro im RD-Bereich würde das System "zerschiessen", denn genau dieser RTW könnte seine Trage mit niemanden tauschen oder via DL befördern oder z.B. eine RTH-Trage aufnehmen bzw. dem RTH den Patienten auf seiner RTW-Trage übergeben.


    Auch in der Ersatzvorhaltung spielt die Kompatibilität eine Rolle. Wir haben z.B. einige Tragen in Reserve. Dieser Pool wird sowohl vom RD als auch vom SAN-D und KTP genutzt. Die Tragen (Ferno, Stollenwerk und Stryker) passen einfach auf alle Autos und ein Tragendefekt bzw. Ausfall wegen Wartung/Reparatur kommt vor. Reservetrage rein, fertig. Bei einer Rettungswache mit "Innovations-RTW" und einem normalen KTW brauche ich schon zwei Reservetragen - eine MX-pro und eine "normale Trage" - oder ein Auto steht, wenn die Trage ("normal" oder "Innovation") defekt ist bzw. gewartet wird.


    Ich würde es bevorzugen, wenn die (deutschen) Fahrzeugausbauer eine Lösung finden würden, mit den hier in Deutschland bewährten und noch viele Jahre verbreiteten Tragen eine rückenschonendere Be- und Entlademöglichkeit zu schaffen. Ganz primitiv wäre das z.B. eine Art el. Seilzug, der die Trage auf den Tisch zieht. Die Tragen können es inzwischen , dass der hintere Fuss des Fahrgestells belastet werden kann, bis dieser am Tisch ansteht... Eine Adaption der US-Technik, bei der über Jahre die "Fahre" mit zwei Personen in den RTW gehoben werden musste, macht IMHO keinen Sinn, auch die für US-Verhältnisse vielleicht neue Methode, dass nun nur noch eine Person die Trage Be-/Entladen kann ist für mich kein Fortschritt....

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Hmmm, spätestens seit der Einführung / Umsetzung der DIN EN 1865 ist mit den DIN-Tragenhalterungen als Pflicht in jedem RTW / KTW vorbei, auch wenn es noch häufig verbaut wird. Die EN 1865 formuliert das Ziel (Sicherheit), der Weg (Haltepunkte) kann jeder für sich selbst festlegen. Daher ist ein Tragetisch, der beispielsweise für eine Stollenwerck-Fahrtrage geeignet / zugelassen ist, nicht zwingend kompatibel mit einer Stryker M1 Fahrtrage oder einer Ferno X2.
    Das Ganze mag lokal noch funktionieren, einige Fahrzeugbauer bauen auch "Universalhalterungen", aber verlassen kann man sich nicht darauf.
    Die von dir angesprochenen Punkte sind natürlich sinnvoll, aber ohne zwingende Vorgabe keine verlässliche Größe. Es gibt keine Universalkompatibilität mehr, ob mit oder ohne US-Tragen.


    Ich wundere mich, dass selten Extremfälle (Drehleitereinsätze) als Argument gegen ein System herangezogen werden, dass mit Sicherheit nicht perfekt ist, dafür aber andere Vorzüge bieten kann. Bei einem MZF-System wie in SH behaupte ich einfach mal, dass ein durchschnittlicher RTW mehr Krankentransporte "liegend-liegend" (z.B. Altenheim-KH) durchführt (wo das System vorteilhaft sein könnte) als Einsätze mit Drehleitern, wo ein zusätzlicher Umlagerungsvorgang erforderlich ist.


    Werden bei euch mehr Drehleitereinsätze als Krankentransporte aus Altenheimen oder Krankenhäusern gefahren?


    Es gibt und wird nie ein System geben, welches ausschließlich Vorteile bietet. Wer die älteren Kollegen landauf - landab nach der Einführung der Fahrtrage als Nachfolger zur DIN-Trage fragt, wird vermutlich überall ähnliche Antworten erhalten: Am Anfang wurde es verflucht, nach einigen Wochen Betrieb wollte man nichts anderes mehr.


    Auch die Reservevorhaltung sehe ich als absolut Zweitrangig an, es geht bei diesem System um eine Machbarkeitsüberprüfung!

    ________________
    alle Aussagen spiegeln ausschließlich meine private Meinung wieder

  • Hi,


    Hmmm, spätestens seit der Einführung / Umsetzung der DIN EN 1865 ist mit den DIN-Tragenhalterungen als Pflicht in jedem RTW / KTW vorbei, auch wenn es noch häufig verbaut wird. Die EN 1865 formuliert das Ziel (Sicherheit), der Weg (Haltepunkte) kann jeder für sich selbst festlegen.


    Drecks-EU-Norm halt.



    Zitat


    Das Ganze mag lokal noch funktionieren, einige Fahrzeugbauer bauen auch "Universalhalterungen", aber verlassen kann man sich nicht darauf.


    Zum Glück, ja. Bayern lässt Tragentische verbauen, die alle gängigenTragen aufnehmen können und das ist auch gut so.


    Zitat


    Ich wundere mich, dass selten Extremfälle (Drehleitereinsätze) als Argument gegen ein System herangezogen werden, dass mit Sicherheit nicht perfekt ist, dafür aber andere Vorzüge bieten kann.


    Ich würde DL-Einsätze nicht als "seltene Extremfälle" bezeichnen. Die kommen hier in M-Stadt durchaus vor (geschätzt 1x/Tag). Noch häufiger sind RTH- bzw. ITH-Übernahmen - das grösste KH (Uni-Klinikum Grosshadern) hat einen Landeplatz "weit weg", es ist immer ein RTW nötig, dito bei den Unikliniken in der Innenstadt - da ist der Weg vom Landeplatz Theresienwiese zu den Häusern noch deutlich weiter)


    Zitat


    Es gibt und wird nie ein System geben, welches ausschließlich Vorteile bietet. Wer die älteren Kollegen landauf - landab nach der Einführung der Fahrtrage als Nachfolger zur DIN-Trage fragt, wird vermutlich überall ähnliche Antworten erhalten: Am Anfang wurde es verflucht, nach einigen Wochen Betrieb wollte man nichts anderes mehr.


    Ja, "echte Männer können auch Tragen tragen" konnte man damals schon hören..... Aber das System war dank der DIN-Norm geschlossen, d.h. selbst die "moderne" Fernotrage (das Oberteil) passte auf die DIN-Halterungen alter Tische und umgekehrt hatten die "Ferno-Tische" Halterungen, um "alte" DIN-Tragen aufnehmen zu können. Auch bei den DL-Halterungen waren zuletzt nur kleinere Umbauten nötig, um auch Stollenwerk oder Strykertragen aufnehmen zu können.


    Dieses "geschlossene System" hatte durchaus seinen Sinn, denn damit waren alle Fahrzeuge und Tragen mit ggf. geringen Umbauten kompatibel. Egal ob ein Patient vom KTW in den RTW, vom RTW in den NAW oder vom KTW4 in einen "normalen" KTW und vom ITH in den RTW übernommen werden soll oder muss - die Trage passt. Mit den heutigen Universalhalterungen passen auch Tragen unterschiedlicher Hersteller, egal ob Ferno, Stryker, Medirol oder Stollenwerk. Und wenn mir z.B. die Feuerwehr einen Schwerstverletzten auf ihrer DIN-Klapptrage bringt, dann kann ich den Patienten inkl. Trage auch noch einladen und sichern.


    Und das ist der Punkt. Natürlich ist es schön, modernstes HighTech zu verwenden, damit der Rücken nicht mehr weh tut, aber wenn dadurch auch nur ein Patient geschädigt wird, weil ich ihn "eigentlich" unnötig umlagern muss, dann hat das System einen Fehler. Sicherlich ist es schön, wenn die trage quasi von selbst in den RTW rollt oder sich per Knopfdruck hydraulisch hebt oder senkt, ich wäre sofort mit dabei, wenn es sowas zum Spielen gäbe - nur muss man eben auch "das System" sehen - und dazu gehört nunmal IMHO auch die Kompatibilität mit anderen Rettungsmitteln, DL-Halterungen usw. - auch wenn das nicht "Tagesgeschäft" ist.


    Zitat


    Auch die Reservevorhaltung sehe ich als absolut Zweitrangig an


    Sehe ich anders. Wir haben einen Pool an Tragen, die von Fahrzeugverkäufen etc. übriggeblieben sind. Stollenwerk, Ferno, Stryker, Medirol - da sind alle dabei. Es ist schon sehr bequem, die Tragen beliebig tauschen zu können, selbst "uralte" Tragen vom SAN-D können im RTW/KTW-Tagesgeschäft als Ersatz verwendet werden. Ich kenne noch die Zeiten, in denen ein Tragentausch nicht so einfach war. Wir hatten damals nur Ferno und "mit Bügel", "mit Pilzkopf", "ohne Alles" war schon ein kleines Problem..... Und ein Fahrzeug stilllegen, weil die Trage defekt (oder in Wartung/Reparatur) ist, konnte man sich damals und kann man sich auch heute eigentlich nicht leisten.... Und Kompatibilität: Lieber mal einen KTW oder SAN-D-Auto ausser Dienst nehmen, weil dessen Trage der RTW braucht, als einen RTW ausfallen lassen....

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Wenn man will, findet man in jeder Suppe ein Haar. Und du suchst derzeit ja richtig fieberhaft nach denen.


    Fakt ist aber, daß eine Fahrtrage nach US-/GB-Vorbild in Verbindung mit einer Bühne die Belastungen bei den üblichen 08/15-Transporten deutlich reduziert und man nicht irgendwelche Bastelleien mit Seilzügen, Winden & Co. anfangen muß.

  • Hi,



    Fakt ist aber, daß eine Fahrtrage nach US-/GB-Vorbild in Verbindung mit einer Bühne die Belastungen bei den üblichen 08/15-Transporten deutlich reduziert


    Wenn man nur für 08/15-Verhältnisse baut, könnten wir uns auch eine ganze Menge anderer Dinge im RD sparen - vom ABS/ESP/Allrad im Fahrzeug bis hin Sicherheitsschuhen, Helmen usw. Denn "08/15" ist die Strasse tocken und eben, nix fällt auf den Fuss und auch nichts auf den Kopf.


    Natürlich ist es rückenschonender, mit Hebebühne, hydraulischer Trage etc. zu arbeiten. Nur wenn es mal darauf ankommt, dann ist das Tragen mit anderen Hilfsmitteln wie Schaufeltrage, Tragetuch oder Spineboard weitaus belastender und/oder unbequem oder gar schädlich für den Patienten.


    Beispiel DL: Natürlich hat eine DL (und manche andere FW-Fahrzeuge) eine DIN-Klapptrage an Bord, die auf die DL-Halterung passt. Damit kann man mit der DL Patienten retten und dann auf die RTW-Fahre umlagern. Nur ist es eben auch in manchen Fällen medizinisch absolut kontraindiziert, einen Patienten flach zu lagern - nur auf der DIN-Klapptrage der Feuerwehr geht das nicht anders... Auch eine Lagerung mit angehobenen Beinen (Schocklage, Bauchdeckenentspannung) ist damit nicht möglich.


    Auch wenn ich 99 Patienten "normal" mit der Trage transportiere, der 100te Patient braucht die DL und "OK hoch" und dessen Gesundheit oder Leben auf´s Spiel zu setzen, weil mir mein Rücken wichtiger ist??

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • In den Fällen wo eine DLK bei uns hinzugezogen wird,ist meistens Zusand nach Reanimation (Intubiert und Beatmet),da brauche ich keine " OK hoch" Lagerung.Schocklage geht mit der Krankentragehalterung
    der DLK sowieso nicht.Bauchdeckenentspannug geht auch auf der DIN-Klapptrage ( Knierolle aus Decken u.ä.)

  • Nur ist es eben auch in manchen Fällen medizinisch absolut kontraindiziert, einen Patienten flach zu lagern - nur auf der DIN-Klapptrage der Feuerwehr geht das nicht anders... Auch eine Lagerung mit angehobenen Beinen (Schocklage, Bauchdeckenentspannung) ist damit nicht möglich.


    Sag einmal, kann es sein, dass Du mittlerweile ein wenig verwöhnt bist? Aber auch auf einer DIN-
    Trage würde ich eine Schocklage oder ähnliches hinbekommen. Wer das nicht mehr schafft, sollte
    sich überlegen, ob der Rettungsdienst nicht der falsche Job für ihn ist.


    Und Deine so liebend gern angesprochene Rettung mit der DLK ... was wäre denn da eine mögliche
    Alternative? Ich würde mal sagen der aufwändigere und noch weniger patientenschonende Trans-
    port durch ein Treppenhaus, oder?


    Wie schon von "Kurvenfahrer" geschrieben ... aber wenn man will, kann man überall etwas negatives
    finden, und irgendwo habe ich derzeit das Gefühl, dass alles was nicht aus Bayern kommt schon mal
    per se schlecht sein muss ...

  • Hi,


    In den Fällen wo eine DLK bei uns hinzugezogen wird,ist meistens Zusand nach Reanimation (Intubiert und Beatmet),da brauche ich keine " OK hoch" Lagerung.


    Die DL wird bei uns immer dann eingesetzt, wenn ein Transport des Patienten durch das Treppenhaus in der gewünschten/erforderlichen Lagerungsart "Liegend" nicht oder nur sehr schwierig/risikant möglich ist.


    Zitat


    Schocklage geht mit der Krankentragehalterung der DLK sowieso nicht.


    Aber mit "normalen" Tragen ist das auch auf der DL-Halterung möglich da die Befestigungspunkte der Trage dabei nicht verändert werden wenn man das Fussteil hochklappt.


    Hätte die "Fahre" ein abnehmbares Oberteil mit DIN-Abmessungen/Halterungen, wären damit eine ganze Menge Probleme und Bedenken nicht mehr vorhanden. Nur - derzeit werden die Tragen nur importiert, ohne auf den deutschen bzw. EU-Markt angepasst zu sein und in den USA ist es unüblich, Tragen mit einem abnehmbaren Oberteil zu verwenden.



    Wenn sich die "Fahre" im deutschen RD durchsetzt, müssen grossflächig Arbeitsweisen und Systeme überdacht werden. Das betrifft dann den RD selbst (Vorhaltung von z.B. Spineboards, mehr Personalbedarf für evtl. Tragehilfen (z.B. durch die FW) ) als auch das Vorgehen und Planungen beim Kat-S (dortige Tragen, Tragentische, Lagerungsböcke etc. dann nicht mehr kompatibel zu den Tragetischen der RTW, ggf. mehrere RTW mit unterschiedlichen Systemen, keine Austauschbarkeit untereinander mehr, keine einheitliche Bedienung mehr)


    Auch die elektrohydraulischen Elemente von Trage oder Hubbühne erfordern einen anderen Wartungsaufwand und ggf. andere Ausfallzeiten (Ersatzvorhaltung!) , "Notbetrieb" bei z.B. Störung der Elektrik kenne ich von Ladebordwänden/Hubbühnen nicht - sollte aber implementiert sein. Bei breiteren "Fahren" muss bei manchen Fahrzeugmodellen geprüft werden, ob die nach DIN/EN geforderten seitlichen Freiräume im Fahrzeug noch eingehalten werden, bei einem Sprinter-Kasten könnte das eng werden... Auch die i.d.R. geringere Liegehöhe des Patienten im Fahrzeug erfordert andere Arbeitsweisen, ggf. andere Stühle/Sitze usw. (US-RTW weisen oft keine Stehhöhe auf, dort wird viel im Sitzen von einer seitlichen Sitzbank aus gearbeitet - bei uns (auch gem. Norm) undenkbar.


    Schliesslich bleibt noch die DIN/EN 1865, die die Krankentrage beschreibt und z.B. ein Gewicht des Fahrgestells von max. 28kg vorgibt.


    Alles ned so einfach....

    Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

  • Ich würde sagen: Das kann die Zukunft sein. Wobei dieses Modell etwas wackelig aussieht. Kann man die Trage auch vom Fahrgestell trennen? Und wie sehen die Kosten bei der Trage in etwa im Verhältnis zu einer normalen Trage aus?


    Also ich wäre da echt interessiert falls jemand mal den RTW in die Hände bekommt, wie sie das System bewährt.

    • Offizieller Beitrag

    Die ausgiebige Praxiserprobung ist ja der Sinn dieses Fahrzeuges. Sobald das Fahrzeug die unterschiedlichen Wachen im Gebiet der RKiSH durchlaufen hat, besteht auch für andere Wachen in SH die Möglichkeit, das Fahrzeug mal zu testen.


    Die Trage kann vom Fahrgestell nicht getrennt werden.


    Der Mehrpreis für dieses System inkl. der Luftfederung im Vergleich zu der bisher genutzen Stryker-Trage mit Schwingtisch ist nach meinen Informationen in einem akzeptablen Rahmen und im Vergleich zum System Stryker Power-Load sogar deutlich billiger.

  • Ich verstehe nur nicht, wieso man nicht Konzepte testet, die sich anderswo schon flächenddeckend durchgesetzt haben - so z.B. die RTW in Großbritannien.
    Allein, das Hubbühnen millionenfach erprobt und relativ preiswert zu haben sind, wäre für mich ein Grund, dieses System statt dieser beiden zu erproben.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!